Ein erfolgreiches Jahr trotz steigender Anforderungen
Die Ortsfeuerwehr Goslar blicke auf ein arbeitsintensives Jahr 2025 zurück, wie Ortsbrandmeister Kevin Schmidt gleich zu Beginn feststellte. Bei der Jahreshauptversammlung im Lindenhof präsentierten sich die Einsatzkräfte mit beeindruckenden Zahlen und klarer Struktur – doch die Herausforderungen wachsen kontinuierlich.
Gedenken
Zu Beginn der Versammlung gedachte die Ortsfeuerwehr Goslar ihrer verstorbenen Kameraden. Im vergangenen Jahr musste Abschied genommen werden von Hauptfeuerwehrmann Klaus Rebetje sowie Feuerwehrmusiker Harald Elbe.
Darüber hinaus galt das Gedenken allen Feuerwehrangehörigen und Einsatzkräften im In- und Ausland, die im Dienst oder infolge ihrer Tätigkeit ihr Leben verloren haben. Ebenso wurde der Opfer von Kriegen, Terror und Gewalt gedacht. Die Versammlung erhob sich zu einer Schweigeminute.
448 Einsätze und ein prägendes Großereignis
Mit durchschnittlich mehr als einem Alarmeinsatz pro Tag war 2025 extrem fordernd. Ortsbrandmeister Kevin Schmidt fasste zusammen: 186 Brandeinsätze, 231 Hilfeleistungen, 8 Wachbereitschaften und 23 Brandsicherheitswachen. 44 Personen konnten gerettet oder geborgen werden.
Besonders prägend war der mehrtägige Waldbrand am Steinberg im Juni. Mehrere Hundert Einsatzkräfte waren im Einsatz – ein Ereignis, das die Bedeutung von strukturierter Einsatzführung, Logistik und überörtlicher Zusammenarbeit eindrucksvoll unterstrichen hat. Daneben forderten mehrere Großbrände die Wehr heraus: der Brand am Rammelsberg, der Sperrmüllbrand in der Baßgeige und der Dachstuhlbrand am Claustorwall.
Umfangreiche Ausbildung und Nachwuchsarbeit
Die Ausbildungsleistung ist beachtlich: In drei Löschzügen, der Gefahrgutgruppe, der Suchhundegruppe, der örtlichen Einsatzleitung mit Drohneneinheit sowie der Fahrer- und Maschinistenausbildung wurden 339 Ausbildungsdienste geleistet. Schmidt dankte besonders den Gruppen- und Zugführern für ihre Führungsarbeit und ihr Engagement.
Ein großer Erfolg in der Nachwuchsarbeit: 550 Kinder und Schüler nahmen 2025 an Brandschutzerziehung und Führungen teil – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die Jugendfeuerwehr und das Team „Kindergeburtstag“ leisten dabei einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Mitgliedergewinnung.
Besondere Höhepunkte des Jahres waren der Tag der offenen Tür nach über zehn Jahren sowie der erstmals durchgeführte Martinsumzug mit mehr als 500 teilnehmenden Kindern. Im August wurde zudem der langjährige Ortsbrandmeister Udo Löprich verabschiedet.
Personelle Stärke
Zum Jahresende zählte die Ortsfeuerwehr Goslar 242 Mitglieder: 152 in der Einsatzabteilung, 67 in der Altersabteilung und 23 in der Jugendfeuerwehr. Anfang des Jahres wurden zehn neue Kameradinnen und Kameraden aufgenommen: Sarah Yvonne Hertrampf, Miriam Bertram, Johanna Dunker, Ole Jonathan Gossing, Fabrice Kemwa Tchachouang, Kathrin Link, Jannis Marquardt, Levin Michaelis, Karsten Jens Ossig und Robert Vallespir.
Beförderungen und Verpflichtungen
Nach erfolgreich absolvierter Ausbildung wurden insgesamt sechs Feuerwehranwärter verpflichtet: Feuerwehrfrauanwärterin Sarah Yvonne Hertrampf sowie die Feuerwehrmannanwärter Alexander Sura, Kai Steckhan, Theo Kreienfeld, Patrick Schulz und Kevin Pollak.
Im Bereich der Beförderungen zeichnete sich eine breite Leistungsanerkennung ab. Zu Oberfeuerwehrfrauen und Oberfeuerwehrmännern wurden Niklas Gerbert, Jannik Benke, Leonie Irmer, Jan Kannengießer, Jolina Habich, Fabian Frischemeier und Reiner Schlein ernannt. Marvin Gürtler stieg zum Hauptfeuerwehrmann auf.
Auf der höheren Ebene wurden Svenja Weiß, Benjamin Pillach, Kevin Gürtler und Thorsten Mummel zu Brandmeistern ernannt. Stefan Bravin wurde zum Hauptbrandmeister, Dirk Aßmann zum Ersten Hauptbrandmeister und Frank Slotta zum Ersten Hauptbrandinspektor befördert.
Beachtliche Leistungen in den Werkstätten
Hinter den Einsätzen steht umfangreiche Arbeit im Hintergrund. Die Atemschutzwerkstatt prüfte, reinigte 1.488 Masken, 966 Lungenautomaten oder befüllte 699 Atemluftflaschen – hinzu kamen 219 Gerätekontrollen. Rund 700 ehrenamtliche Stunden investierte das Team hier.
Die Drohnengruppe absolvierte 29 Einsätze, unter anderem beim Waldbrand und bei mehreren Personensuchen. Dank einer Spende der Volksbank Nordharz eG konnte eine neue, leistungsfähigere Drohne in Dienst gestellt werden.
Die Rettungshundegruppe verfügt über drei geprüfte Flächensuchhunde mit sieben weiteren in Ausbildung. 55 Ausbildungsdienste und fünf Einsätze wurden verzeichnet. Seit Ende 2025 steht ein speziell ausgebauter Gerätewagen Hund zur Verfügung.
In der Funkwerkstatt wurden über 200 ehrenamtliche Stunden für Programmierung, Wartung und Reparatur aufgewendet. Die Kleiderkammer und Wäscherei wusch und instandsetzte 4.287 Bekleidungsstücke – etwa 1.520 ehrenamtliche Stunden, besonders bei Großbränden eine enorme Herausforderung.
Insgesamt kümmern sich die Gerätwarte um 75 Fahrzeuge und rund 15.000 prüfpflichtige Ausrüstungsgegenstände. 335 ehrenamtliche Stunden wurden für Fahrzeug- und Gerätepflege aufgewendet. Bei Großlagen wird im Schichtdienst gearbeitet, zuletzt beim Waldbrand.
Neue Fahrzeuge stärken die Leistungsfähigkeit
Die Feuerwehr wurde durch ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20) gestärkt. Zudem übernahm sie einen Gerätewagen Logistik für die Waldbrandbekämpfung im Rahmen der GFFF-V-Einheit. Diese neue Fahrzeugkonstellation verbessert besonders die Leistungsfähigkeit im Bereich Hilfeleistung und Vegetationsbrandbekämpfung.
Jugendfeuerwehr: Aktiv und solidarisch
Jugendfeuerwehrwart Christian Luge berichtete von einem aktiven Jahr. Ein Höhepunkt war das Stadtzeltlager mit zahlreichen Übungen und abwechslungsreichem Programm. Trotz schwieriger Wetterbedingungen zeigte sich der starke Zusammenhalt der Gruppe. Bei der Leistungsspange erzielte die gemeinsame Gruppe mit den Jugendfeuerwehren Rüden und Vienenburg eine starke Punktzahl.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Umbau der ehemaligen Küche in einen neuen Umkleidebereich („Mädchenecke“), finanziert durch Spenden von Marktkorb Goslar und Amsdorfbasar sowie durch Eigenleistungen. Neue Atemschutzgeräte-Attrappen ermöglichen praxisnahe Ausbildung. Ein besonderes Erlebnis war der Besuch der Flughafenfeuerwehr zu Jahresbeginn.
Altersabteilung: Mehr als nur eine Rentnerwache
Achim Störich übernahm zum 1. Januar 2025 gemeinsam mit Karl-Heinz Beschorner die Leitung der Altersabteilung, die zum Jahresbeginn 35 Kameraden zählte. An den zwölf Dienstabenden nahmen jeweils 16 bis 20 Kameraden teil. Mit Augenzwinkern korrigierte Störich das Klischee: „In den zwölf Diensten wurde keine Apothekenzeitung durch die Gegend geweht.“
Neben Informationsdiensten standen gemeinsame Treffen mit den Altersabteilungen aus Hahndorf und Weddingen sowie ein Stadtverbandsdienst im PS-Speicher in Einbeck auf dem Programm. Störich richtete einen Appell an die Aktiven: „Akzeptiert die Altersabteilung und lasst uns zusammen an der Zukunft der Wehr arbeiten.“
Ehrungen für Treue und Engagement
Stadtbrandmeister Christian Hellmeier zeichnete langjährige Treue aus: Patrick Kiehne für 25 Jahre aktiven Dienst, Karsten Peter und Thomas Jäger für 40 Jahre Mitgliedschaft. Für 50 Jahre Zugehörigkeit erhielten Siegfried Dehner und Gunter Kleinhans das Ehrenzeichen des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen. Jürgen Fuse wurde für 60 Jahre geehrt, Rolf Kreie – ebenfalls mit dem LFV-Ehrenzeichen – für 70 Jahre.
Zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden Hans-Joachim Störich, Michael Jörg Schreyer und Werner Kahl.
Eine besondere Auszeichnung erhielten Tatjana und Andreas Wille, Betreiber des Lindenhofes, für ihre langjährige Unterstützung. Besonders beim Waldbrand im Juni stellten sie über mehrere Tage hinweg die Verpflegung für zahlreiche Einsatzkräfte sicher.
Auch der langjährige Ortsbrandmeister und jetzige Kreisbrandmeister Udo Löprich wurde im Rahmen der Versammlung gewürdigt.
Unterstützung aus Politik und Verwaltung
Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner würdigte unter dem Leitmotiv „Immer bereit“ die besondere Verlässlichkeit der Einsatzkräfte und dankte ausdrücklich für Engagement und Professionalität. 448 Einsätze stünden nicht nur für Statistik, sondern für konkrete Situationen, in denen Menschen Hilfe benötigten.
Stadtbrandmeister Christian Hellmeier ordnete das Einsatzgeschehen ein: Mit 935 Einsätzen durch elf Ortsfeuerwehren im Jahr 2025 sei eine deutliche Belastungsgrenze erreicht. Die kontinuierlich steigenden Zahlen machten deutlich, dass Strukturen weiterentwickelt und Ressourcen klug eingesetzt werden müssten. Die Stadt verfügt über insgesamt 959 uniformierte Feuerwehrangehörige.
Kreisbrandmeister Udo Löprich berichtete über aktuelle Entwicklungen auf Kreisebene: geplante Neustrukturierung, klare Zuständigkeiten und Weiterentwicklung von Fachzügen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung – durch die Umstellung auf Landkreisebene konnte der Bedarf vollständig abgedeckt werden: „Jedes Feuerwehrmitglied ist in den Lehrgang gekommen.“
Landrat Dr. Alexander Saipa bezeichnete die Ortsfeuerwehr Goslar als „Rückgrat unseres Katastrophenschutzes“ und als eine der größten Ortsfeuerwehren im Landkreis. Er dankte allen Einsatzkräften für ihr ehrenamtliches Engagement und hob die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Feuerwehrführung hervor.
Zum Abschluss gab es noch Gummibärchen von Martin Mahnkopf überreicht.
Fazit: Erfolg unter wachsendem Druck
Die Versammlung zeigte: Die Ortsfeuerwehr Goslar meistert ihre Aufgaben mit hoher Professionalität und klarer Struktur. Das enge Zusammenspiel von Einsatzdienst, Ausbildung, Technik, Nachwuchsarbeit und ehrenamtlichem Engagement funktioniert beachtlich. Doch die Realität ist auch deutlich: Mit 448 Einsätzen und einer belasteten Gesamtsituation im Stadtverband sind die Grenzen erreicht. Die Sicherung dieser Leistungsfähigkeit bleibt eine dauerhafte Aufgabe – organisatorisch, personell und finanziell.
Am Ende steht das Credo der Goslarer Feuerwehr:
Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.























